
Pfarrer Kristóf Bálint, Christvesper, Kurzpredigt zur Einleitung des Krippenspiels
Liebe Gemeinde,
tagtäglich hören wir es in den Nachrichten: wir leben in einer bedrohlichen Zeit. Schon am Morgen umspülen unsere Ohrmuscheln Nachrichten wie:
- gefährliche Form von H5N1-Viren gezüchtet, die ausbrechen könnten,
- die Wirtschaftskrise ist noch nicht überstanden,
- ist unser Weihnachtsbraten wirklich bekömmlich oder etwa mit etwas kontaminiert?
Immerzu werden wir mit schlechten Nachrichten bombardiert, wir fühlen uns, als „wohnten wir im finstern Lande“ (Jes 9,1).
Dabei können wir nicht behaupten, uns ginge es schlecht. Wer in diesen Tagen im Supermarkt einkauft, könnte zwar meinen, es ist das erste Einkaufswochenende nach einer sechsjährigen Hungerszeit, aber uns geht es doch augenscheinlich gut, oder?
Wir lassen uns nur viel zu oft einreden, dass es uns eigentlich schlecht ginge, worüber sollten wir sonst reden. Das Negative, das Bedrückende geht uns schneller und flüssiger von den Lippen.
Zu dumm nur, dass wir dadurch die Augen und den Kopf nicht für all die schönen Dinge frei haben, die uns umgeben und die wir leider oft für selbstverständlich halten und deshalb nicht mehr wahrnehmen. Zum Beispiel für die Botschaft der Heiligen Nacht.
Viele halten die Geschichte der Geburt Jesu für ein Märchen, das zwar ganz schön, aber nicht wahr sei. Doch wer so denkt, nimmt sich selbst etwas weg und er untergräbt sich selbst und dem ganzen Weihnachtsfest das Fundament.
Wieso sollen wir eigentlich das Geburtsfest eines Kindes feiern, an das wir gar nicht glauben? Kein Wunder, dass viele Menschen nach wenigen Stunden schon genug haben und den Baum zum Fenster hinaus werfen. Wo der Sinn des Festes verloren gegangen ist, ist es sinnlos geworden. Da helfen auch keine 1000 W Glühlämpchen ums Haus, keine noch so süßlichen Liedchen oder kalorienschweren Plätzchen, kein noch so buntes Geschenkpapier.
Wer sich dieser Geschichte der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus nicht aussetzt und sie mit kindlichem Verlangen (EG 152,4) in sich aufnimmt, dem hat dieses Fest nichts zu sagen, zu dem redet nichts.
Es kommt deshalb auf unsere Einstellung an, wie in fast allen Bereichen unseres Lebens. So wie uns die Geburt unserer eigenen Kinder, wenn wir sie miterlebten, nicht unberührt lässt, so will uns die Geburt dieses Kindes im Stall nicht unberührt lassen.
„Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter.“ (Jes 9,5) Wer sich still und aufmerksam dieser Geschichte öffnet, der kann erleben, wie sie ihn verändert, wie sie ihn beschenkt. Denn deshalb beschenken wir uns zu Weihnachten. Es ist der Ausdruck der Freude über die Geburt dieses Kindes, von dem wir singen, von dem wir reden, von dem wir hören.
Seien wir also aufmerksam und still und lauschen wir der Botschaft des Spieles der Erwachsenen, der Jugendlichen und der Kinder, die sich in vielen Stunden ein Krippenspiel angeeignet haben, dass uns berühren und erreichen will.
Es handelt davon, dass Gott bei uns Menschen ankommen will. Öffnen wir ihm also unsere Herzenstür und lassen ihn ein, damit „der König der Ehren einziehe“ (Ps. 24,7; EG 41.6, EG 45.2, EG 66.5, EG 70.6 u.ö.). und Weihnachten und seine Botschaft uns erreichen und verändern kann. Amen.
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