
Pfarrer Kristóf Bálint, 12. Sonntag nach Trinitatis, "so bunt ist unser Glaube" Anspielpredigt im Familiengottesdienst
Die Predigt in diesem Familiengottesdienst (So bunt ist unser Glaube) mit anschließendem Gemeindefest (So bunt ist unser Leben), wird in Form eines Anspiels gehalten.
Szene 1
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S: |
Liebe Gemeinde, ich bin heute zu Euch gekommen, weil mich Euer Thema interessiert hat. Wir haben endlich Freiheit, jeder kann machen und glauben was er will. Das ist gut. (nachdenklich) Es hat aber auch einen Nachteil. Ich muss selbst entscheiden, was ich glaube und was nicht. Das war früher einfacher. Da habe ich geglaubt was mir vorgegeben wurde oder genau das Gegenteil, da gab es eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Jetzt ist jeder der Meinung, dass er recht hat und ich kann mich gar nicht richtig entscheiden. Was ist nun wahr? Bei all der Buntheit verliere ich manchmal den Durchblick. Was ist denn richtig? Wenn ich das nur wüsste. |
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A: |
(kommt durch den Mittelgang auf S zu) |
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S: |
Darf ich Dich mal was fragen? |
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A: |
Nur zu, ich habe heute Nacht besonders gut geschlafen. |
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S: |
Woran glaubst du und was gibt Dir Halt? |
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A: |
Seit ich diesen indianischen Traumfänger über meinem Bett habe, schlafe ich besonders gut. Das ist doch schon etwas? Ansonsten habe ich es nicht so mit dem Glauben. |
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S: |
Ach, du glaubst an Traumfänger? Das hätte ich gar nicht gedacht. Das ist doch eigentlich nur etwas für Indianer. |
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A: |
Was für die Indianer gut ist, kann doch für mich doch nicht schlecht sein. (geht ab, während B kommt) |
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S: |
Darf ich Dich mal was fragen? |
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B: |
Na klar, ich komme gerade aus meiner Yogastunde. Da bin ich ausgeglichen wie selten in meinem Alltag. |
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S: |
Yoga, daran glaubst du? Das ist doch buddhistischer Erlösungsglauben. |
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B: |
Och, wo das herkommt interessiert mich nicht. Ich merke, dass es mir gut tun, da frage ich nicht danach, woher es stammt. Hauptsache es hilft und ich komme zur Ruhe. (geht ab, C kommt) |
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S: |
Darf ich Dich was fragen? Was riecht denn bei Dir so? |
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C: |
Das sind Räucherstäbchen. |
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S: |
Und wozu dienen die? |
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C: |
Die gibt es für jeden Anlass. Zum Stressabbau, zur Einstimmung auf eine Unterhaltung, zum Schlafengehen… Egal was, bei mir riecht es immer gut, das hilft mir über all das weg, was mir in meinem Leben stinkt. |
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S: |
Und wenn Dich Dein Dein Lehrer kritisiert, zündest Du Dir dann gleich ein Stäbchen an? |
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C: |
Das geht leider nicht, in der Schule ist das leider verboten, dabei wäre das gut. (C geht ab, D kommt) |
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S: |
Wenn dann jeder einen anderen Duft hätte, wäre das aber eine ziemliche Räucherei. Da kommt ja noch jemand, den ich fragen kann. Woran glaubst du denn? |
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D: |
„Ich glaube, dass drei Pfund Rindfleisch eine gute Suppe ergeben.“ Das hat schon mein Opa gesagt. |
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S: |
Und wenn du mal Angst hast um Deinen Opa, wenn er krank ist, hilft dir das dann auch? |
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D: |
Ach, soweit denke ich nicht. Es wird schon immer irgendwie weiter gehen. So wie ich jetzt, ich muss los. |
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S: |
So richtig befriedigt mich das alles nicht. Jetzt läuten die Glocken. Da werde ich doch mal in die Kirche gehen, vielleicht bekomme ich dort eine Antwort.
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Szene 2
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S: |
Hier sitzen alle auf Bänken und singen miteinander. Das ist schön. Die Kerzen auf dem Altar sind angebrannt, ein Mann in schwarzem Mantel redet und Leute in bunten Anziehsachen singen, reden und sprechen miteinander, während sie die Hände falten. Was das wohl ist? Kann mir das jemand von euch Kindern sagen? |
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Befragung der Kinder Was macht man da? Was bedeutet beten? |
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S: |
Die Kinder wissen eine ganze Menge, bestimmt sind sie öfter hier im Kindergottesdienst, zur Kinderarche oder zur Singschule, denn sie kennen sich so gut aus. Etwas kennenlernen kann ich ja nur, wenn ich mich auch darauf einlasse. … Woran glauben Sie? Sind Sie oft im
Gottesdienst? |
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E: |
O ja, ich bin fast jeden Sonntag im Gottesdienst, ich finde das enorm wichtig, denn ich lebe davon, dass ich Gottes Wort höre und darüber nachdenke. In der Woche bin ich dienstags immer im Bibelkreis, da sprechen wir über Bibeltexte und denken darüber nach, was die uns heute zu sagen haben. |
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S: |
Die alten Texte haben Ihnen heute etwas zu sagen? |
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E: |
O ja, die Bibel ist wie eine Schatzkiste, wer einmal auf die Suche geht, der kommt immer beschenkt wieder, aber man muss sich darauf einlassen und darf auch nicht locker lassen… |
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S: |
Das leuchtet ein, wer einen Schatz sucht, der darf nicht aufgeben, sondern muss beharrlich suchen, bis er ihn findet. Das kenne ich. Und Sie, woran glauben Sie? |
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F: |
Ich glaube, dass Jesus für Kinder und Erwachsene da ist und sie lieb hat. |
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S: |
Das kann ja jeder sagen. Woher wissen Sie das? |
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F: |
In der Bibel steht viel davon. Er hat die Kinder genauso wichtig erachtet wie die Erwachsenen. Das war nicht immer so. Das erzähle ich z.B. in der Kinderarche jeden zweiten Samstag und dann spielen wir im Pfarrgarten und tollen herum. |
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S: |
Kinder sind Gott wichtig, das gefällt mir, denn manche Erwachsene denken nicht so viel darüber nach, wie es Kindern geht. Wenn Gott Kinder und Erwachsene liebt, dann bleibt für Jugendliche bestimmt nichts übrig. Hier ist ja einer, den ich mal fragen kann. Woran glaubst du und fühlst du Dich hier zu Hause? |
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G: |
O ja, in der Konfirmandenzeit bin ich oft in den Gottesdienst gegangen, weil unser Pfarrer uns auf diese Weise nahebringen wollte, was wirklich wichtig ist und wie Gottesdienst funktioniert. Da muss man dran bleiben. Inzwischen gehe ich nicht mehr so häufig in den Gottesdienst, dafür aber in die Junge Gemeinde. Da reden, beten, essen und spielen wir mit Frau Weber-Friedrich. |
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S: |
Selbst die Jugend geht da hin und wie ist es mit den jungen Eltern, die meist kaum Zeit haben, weil ständig etwas anderes ist? |
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H: |
Die kommen bei uns auch nicht zu kurz. Wir haben einen Mutter-Kind-Kreis und auch den Kindergottesdienst, damit die Eltern mit ihren Kindern zum Gottesdienst kommen können. Während der Predigt, die für die Kinder noch zu lang ist, gehen die Kinder nach nebenan und hören dort auf Ihre Weise von Gott, wir basteln und singen. Das ist eine schöne Aufgabe, der sich ein paar Muttis und Vatis stellen und wo wir auch dran bleiben, dass ein paar Helfer dazu kommen. |
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S: |
Hier ist ja wirklich für alle gesorgt. Das klingt nach ziemlich viel Action. Da ist immer was los, immer Trubel. Gibt es da auch Zeiten der Ruhe? |
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I: |
Ruhe gibt es hier auch. Ich lebe meinen Glauben z.B. sehr aus der Stille. Wir haben hier einmal im Jahr einen Monat richtige Stilleübungen und auch die Osternacht ist besonders schön, wenn früh um 5 Uhr in der stillen Kirche das Licht langsam entzündet wird, die ersten Lieder gesungen werden und ganz ruhig darüber nachgedacht wird, dass Jesus nicht nur für uns gestorben sondern auch auferstanden ist. |
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S: |
Das ist ein gutes Stichwort für mich. Stille gibt es offensichtlich auch, aber Gesang wohl nicht, oder? |
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J: |
Weit gefehlt. Ich z.B. drücke meinen Glauben gern mit Gesang aus, denn „wes das Herz voll ist, des geht der Mund über“. Wir haben hier viele Chöre – für Kinder und Erwachsene. Heute kann man ja auch einen hören. Auch er singt von Gott und von unserem Glauben an ihn. |
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Trägt Sie der Glaube denn, wenn es Ihnen richtig schlecht geht? |
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J: |
O ja, in meiner Arbeit habe ich oft mit Trauer zu tun. Ohne meinen Glauben könnte ich die viele Traurigkeit gar nicht recht aushalten. Weil ich aber nicht alleine bin und Gott mit mir geht, deshalb bin ich immer getrost und fröhlich. |
Szene 3
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S: |
Ich hätte ja nicht gedacht, dass Glauben so bunt ist. So viele Leute sind mir begegnet, so unterschiedlich in Alter und Auffassung und dennoch gehören alle zu der einen Gemeinde Jesu. Manch einer von ihnen hat gesagt, dass man an einer Sache dran bleiben muss. Das ist gewiss das Geheimnis. Ich kann mir zwar aus vielen Dingen und Religionen etwas Eigenes zusammen basteln, aber ob mich das trägt, wenn ich allein oder krank bin, das weiß ich nicht. Was soll mir auch helfen, dass drei Pfund Rindfleisch eine gute Suppe ergeben, wenn meine Oma im Sterben liegt… Ich bin sprachlos, dass sich der Glaube dieser einen Gemeinde in so vielen Möglichkeiten äußert. Da ist gewiss etwas für mich dabei. Ich singe gern und bin manchmal auch gern still. Meine Kreativität kann ich hier auch ausleben. Bestimmt kommt es darauf an, dass ich auch mal dran bleibe und ausprobiere wie es ist, mich auf den Glauben einzulassen und darauf zu vertrauen, dass Gott mit mir ist, auf allen meinen Wegen. Dann kann mir doch eigentlich nichts passieren, dass mich von Gott trennt. Das ist doch toll. Amen. |
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