
Herr Diethard Leder, 10. Sonntag nach Trinitatis, Ex 19, 1-6
Kanzelgruß: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die. Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Amen..
Haben sie als Kinder auch Völkerball gespielt? Ich hatte dabei immer sehr viel Spaß. Es gab zwei Könige, die sich ihre Mannschaft wählten. Es war wichtig welcher König den ersten Mitspieler auswählen durfte (Zeigen mit den Schritten).
Wenn das klar war, wer mit der Wahl beginnt, dann ging es los.
Zuerst wurden immer die besten Spieler gewählt, die wollte jeder „König“ unbedingt in seiner Mannschaft haben.
Haben sie das auch mal gespielt? Ich kann mich noch daran erinnern, wie schlecht ich mich gefühlt habe, wenn immer mehr Mitspieler vor mir ausgewählt wurden und mich wollte keiner haben. Ich war zu klein und konnte nicht so gut werfen.
Es ist für uns wichtig, dass wir mit in einer Mannschaft, einem Team oder einem Freundeskreis sind, das uns andere Menschen als Freunde „erwählen“.
Erwählung, ein Wort das wir heute wenig gebrauchen. Wer von uns spricht davon, dass er sich seine Frau oder seinen Mann erwählt hat. Wenn wir von unseren Kindern oder Menschen, denen wir begegnen, in einem persönlichen Gespräch gefragt werden, „Wie hat das mit euch angefangen?“ Dann sprechen wir nicht von Erwählung, dann reden wir von Liebe, von unserer Begeisterung für den anderen Menschen, von dem Erleben des gegenseitigen Verstehens, von unserem Vertrauen in den Partner und von unserer Verantwortung für einander.
Der heutige Sonntag, der 10 Sonntag nach Trinitatis, ist mit der Bezeichnung Israelsonntag überschrieben. Es geht um das Volk der Juden und ihre Erwählung „zum Volk Gottes“.
Hört den Predigttext 2.Mos.19.1-6
1Genau am dritten Neumondstag nach ihrem Auszug aus Ägypten erreichten die Israeliten die Wüste Sinai. 2Sie waren von Refidim aufgebrochen und schlugen nun ihr Lager in der Wüste dem Berg gegenüber auf. 3Mose stieg hinauf, um Gott zu begegnen. Da rief ihm Jahwe vom Berg aus zu: "Sage es den Nachkommen Jakobs, rede zu den Israeliten: 4'Ihr habt gesehen, was ich mit den Ägyptern gemacht habe. Ihr habt erlebt, dass ich euch wie auf Adlersflügeln getragen und bis hierher zu mir gebracht habe. (5. Mose 32.11) 5Wenn ihr nun auf mich hört und meinen Bund haltet, dann sollt ihr unter allen Völkern mein persönliches Eigentum sein. Denn mir gehört die ganze Erde. (5. Mose 7.6) 6Ihr sollt mir ein Königreich von Priestern sein, ein heiliges Volk!' Das sollst du den Israeliten sagen!"
Ausmalen des Textes: Eine Trekkingtour der besonderen Art
Die Juden sind im Frühjahr von Agypten zum Sinai gezogen. Sie haben einen Weg von ca. 320 km von Aggypten in den Süden der Halbinsel Sinai zurück gelegt. Sie sind Nomaden und wandern mit ihrem ganzen Besitz, Vieh u. Hausrat und der gesamten Sippe, durchs Schilfmeer nach Südosten, durch Ebenen und Wüsten. Haben gegen andere Stämme(Amalektiter) gekämpft und dabei den Beistand Gottes erlebt(Aron und Hur stützen die Arme des Mose, denn solange er die Arme erhoben hatte siegten die Israeliten). Als sie am Berg Sinai ankamen, waren sie ungefähr auf 30°N. Sie hatten Tagestemperaturen von 35-40°C und kalte Nächte. Sie wohnten unter Planen oder Tierhäuten. Wir sagen sie lebten in Zelten, aber die waren sicher nicht mit unseren Zelten vergleichbar. Es gab zum Glück keinen Regen, dafür aber Sandstürme. Die Hitze und Trockenheit war sicher furchtbar. Sie haben Hunger und Durst, aber auch die Fürsorge Gottes erlebt. Sie haben erlebt, dass Gott Manna und Wachteln gab, das bitteres Wasser trinkbar wurde.
Und immer wieder murrten sie gegen Mose.
Das Volk war am 3.Neumond angekommen. Sie waren als ca. 21/2 bis 3 Monate unterwegs.
Die Landschaft in der das Volk die Berufung erfährt war trocken und staubig, felsig mit nur wenigen Weidegründen für das Vieh. Ihre Bedürftigkeit wird ihnen hier täglich deutlich. Es ist verständlich, dass sie immer wieder fragen, „Mose warum hast du uns hier her geführt? In Ägypten hatten wir Essen und Trinken.“
Für Mose selbst wird das Unternehmen „Auszug aus Ägypten“ auch oft sehr fragwürdig gewesen sein.
Seine Orientierung war eine Wolke oder Feuersäule, dies ist eine sehr unsichere Navigationshilfe. Ich segle lieber nach Karte, Kompass und GPS.
Wie hält Mose diesen Stress aus? Er weiß nicht wohin die Reise geht, muss das Volk führen und bei Laune halten.
Er konnte dies nur, weil er um seine Berufung wusste und mit einem wachen Ohr für Gottes Reden lebt. Mose hat eine besondere Beziehung zu Gott.
Wie macht er das? In den Schilderungen über die Wanderschaft wird berichtet: „ er schreit zu dem Herrn.“ So auch als sie am Gebirge ankamen. Er sucht die Nähe Gottes. Vers 3 Mose stieg hinauf, um Gott zu begegnen. Ich kann mir das gut vorstellen. Er wollte endlich mal seine Ruhe habe von dem ständigen Genörgel, und den Fragen - wie weit ist es denn noch? Wir haben Hunger. Hast Du was zu trinken?
Der Berg ist 2.285 m hoch. Von der Ebene, wo das Volk lagerte sicher mehr als 1000m Aufstieg. Bei ca. 35 bis 40°C eine anstrengende Tour. Genügend Zeit um Gott sein Herz über die Schwierigkeiten mit dem Volk auszuschütten.
Und was geschieht? Da rief ihm Jahwe vom Berg aus zu: "Sage es den Nachkommen Jakobs, rede zu den Israeliten: 4 'Ihr habt gesehen, was ich mit den Ägyptern gemacht habe. Ihr habt erlebt, dass ich euch wie auf Adlersflügeln getragen und bis hierher zu mir gebracht habe. (5. Mose 32.11)
Nun übertreibt er aber etwas. Auf Adlersflügeln… hätte das nicht eine bequeme Reise sein müssen? Auf den Flügeln des Adlers reist es sich besser als in seinen Klauen.
Der Adler ist ein Bild. Für die Fürsorge Gottes,..wie auf Adlersflügeln. Dies ist eine Empfehlung für uns, wir können wählen:
Wir können auf die Schwierigkeiten fixiert leben und uns sorgen, weil wir glauben, sonst sorgt keiner für uns, oder
wir können zu Gott schreien und nach den Flügeln des Adlers Ausschau halten. ER ist da, Er ist ein Gott der uns sieht und liebt.
Für das Volk in der Wüste, das Gott zu seinem Eigentum erklärt gab es keinen Automatismus.
So ihr seid jetzt mein Volk und nun ist immer alles gemütlich und Friede, Freude, Eierkuchen. Es bleibt für das Volk und damit auch für uns spannend bis an unser Lebensende.
5Wenn ihr nun auf mich hört und meinen Bund haltet, dann sollt ihr unter allen Völkern mein persönliches Eigentum sein". In anderen Übersetzungen heißt es:“Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten“ Diese Übersetzung drückt nicht auf die Bedingung, wenn du das tust, dann bekommst du das dafür. Sondern es zeigt, die Möglichkeit die mir als Eigentum Gottes gegeben sind. Du wirst meiner Stimme gehorchen können, weil du gelernt hast darauf zu hören, sie von anderen Stimmen zu unterscheiden.
Das Volk des Bundes wird zu Gotteseigentum erklärt. Und sie haben eine so beeindruckende, tiefe Geschichte. Wir haben dies am Anfang unseres Gottesdienstes, beim Anzünden des siebenarmigen Leuchters gehört und können es in vielen Geschichten der Bibel, aber auch der neueren Geschichte Israels erfahren.
Wo stehen wir nun als Christen? Können wir von diesem Text aus dem 2.Mos.19 etwas für uns in Anspruch nehmen?
Jesus sagt in den Evangelien, Mt.12.50 Mk und Lk "Denn wer den willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter.
Und in Eph.1. 3
"Gepriesen sei unser Gott, der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus! Denn durch Christus hat er uns Anteil gegeben an der Fülle der Gaben seines Geistes in der himmlischen Welt". Durch Jesus Christus sind wir auf diesen Stamm, das Volk der Juden mit aufgepfropft. Unsere Glaubens und Lebensgrundlage ist im Volk Gottes verwurzelt. Jesus ist Jude und er sagt, dass wir seine Brüder und Schwestern sind.
Bei der Erwählung des Volkes geht es um Beziehungen. Die Beziehung der Menschen zu Gott, zu einander und zu sich selbst. Diese Beziehungen werden durch die Liebe Gottes verändert.
Wir können lernen Gott zu vertrauen, in dem wir die Beziehung zu IHM pflegen.
Wie geht uns das in Beziehungen mit Menschen.
Meiner Frau habe ich vor 34 Jahren gesagt, dass ich sie liebe und ich habe es inzwischen oft wiederholt.
Ich bin auch gern mit ihr zusammen und rede mit ihr über die Dinge die mich bewegen.
Ich bin begeistert von meiner Frau und so fällt mir das auch nicht schwer. Ich muss nicht lange überlegen ob ich heute oder doch lieber erst nächste Woche mit ihr reden möchte.
Für unsere Beziehungen als Menschen untereinander ist uns völlig klar wie unsinnig eine solche Haltung wäre. Ich habe Dir vor 34 Jahren gesagt das ich dich liebe, dass weißt du doch sicher noch.
Aber im Blick auf unsere Beziehung zu Gott tun wir uns damit oft schwer.
Wir leben oft mit der Haltung, und das kenne ich bei mir auch,
• dazu habe ich jetzt keine Lust.
• Darüber kann ich doch mit niemandem reden, und mit Gott schon gar nicht.
• Ich habe keine Zeit, es gibt so viel Arbeit, ich muss los.
Und schon geht die Plagerei los, das ist zum Heulen und Murren und hat mit Adlerflügeln nichts zu tun.
Wir müssen uns nicht ändern und dann können wir Gott vertrauen, sondern wir können IHM vertrauen, zu Christus kommen und erleben, dass Veränderung möglich wird. Wenn wir so leben, so können wir die Adlerflügel wahrnehme und uns ihnen anvertraue.
Auch wir können als sein „Eigentum“ und sein geheiligtes Volk leben und seine tragende Gegenwart in unserem Alltag erleben.
Geh mit Erwartungen auf den Berg um Gott zu begegnen und sei echt. Dann werdet ihr was erleben.
Und der Frieden Gottes, der größer ist als all unser Verstehen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen
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