Predigten

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Dr. Bernd Schalbe, 7. Sonntag nach Trinitatis, Joh 6, 30-35

Liebe Gemeinde,

in der Menschheitsgeschichte hat sich vom Beginn an am Wesen der Menschen  nichts, aber auch rein gar nichts geändert. Zu allen Zeiten, sind die Menschen immer gleich geblieben. Wir Menschen sind immer auf der Suche nach Sättigung und Befriedigung unserer leiblichen Bedürfnisse. Sehnsüchte, die seit  Beginn unseres Lebens vorhanden sind.

Ja, wir wollen leben. Der größte Teil der Menschheit steht heute in einem Kampf um das Leben, um das Überleben. Bei Millionen von Hungernden geht es um das Überleben, das wird uns in diesen Tagen wieder deutlich, wenn wir die Nachrichten aus Somalia verfolgen.

Ein weiterer Teil der Menschheit, der bei weiten kleinere, lebt im Wohlstand und im Überfluss. Und wir werden nicht müde uns zu fragen, wie wir noch mehr aus unserem Leben machen können.

Aber es gibt auch noch die Menschen, die des Wohlstandes in unserer Gesellschaft überdrüssig sind und sich nach einem einfachen Leben sehnen.

Wir alle wollen Leben, ja wir wollen das ewige Leben haben. Das ewige Leben ist, so denke ich, eine Ursehnsucht von uns und zwar seit Anbeginn unserer Existenz, die über das gewöhnliche Leben hinausgeht.

Leben, ja, jedes Leben braucht Nahrung. Unsere irdische Nahrung kann nur unser irdisches Leben erhalten. Gott aber bietet uns durch Jesus Christus eine Nahrung zum ewigen Leben an: Jesus, das Brot des Lebens. Diese, unsere tiefe Sehnsucht auf ein unvergängliches Leben soll für einen jeden von uns erfüllt werden, der an Jesus Christus glaubt.

Hören wir den heutigen Predigttext aus dem 6. Kapitel des Johannesevangeliums:

Joh 6, 30-35
[30] Da sprachen sie zu ihm: Was tust du für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? Was für ein Werk tust du? [31] Unsre Väter haben in der Wüste das Manna gegessen, wie geschrieben steht (Psalm 78,24): »Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.« [32] Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. [33] Denn Gottes Brot ist das, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. [34] Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot. [35] Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.


Liebe Gemeinde,
zu unserem Predigttext passt ganz gut ein Gedicht von Eugen Roth:

Ein Mensch gelangt mit Müh und Not,/ vom Nichts zum ersten Stückchen Brot./ Vom Brot zur Wurst geht's dann schon besser, der Mensch entwickelt sich zum Fresser/ und sitzt nun, scheinbar ohne Kummer/ als reicher Mann bei Sekt und Hummer./ Doch sieh, zu Ende ist die Leiter./ Vom Hummer aus geht nichts mehr weiter./ Beim Brot so denkt er, war das Glück./ Doch findet er nicht mehr zurück.

So reimt der Dichter und gibt Antwort auf die Frage, warum es uns manchmal so schlecht geht, obwohl es uns allen so gut geht. Warum inmitten des Wohlstandes das Unglück wächst und der Verbrauch an Psychopharmaka, die beruhigen und die Seele aufhellen sollen. Warum trotz Überfluss, so viele Menschen mutlos in die Zukunft schauen und für sich keine Perspektive mehr sehen. So viele Bedürfnisse sind heute für alle gestillt, aber der Hunger nach Glück, der Lebenshunger ist geblieben. Nein, wir brauchen nicht alle Tage Manna vom Himmel. Unsre Kühlschränke sind gefüllt, unsere Lager und Kühlhäuser platzen aus allen Nähten, aber der Hunger nach Glück der Lebenshunger ist geblieben.

Nein, Jesus, um Brot und Wurst oder um Wasser und Sekt brauchen wir dich  anders als die Menschen damals nicht zu bitten. Eher schon haben wir diesen Überfluss zu beklagen. Wie viele haben verlernt, so zu essen, dass es gut ist für Leib und Seele. Und so mancher frisst und säuft sich zu Tode, weil ihm nur Essen und Trinken bleibt um sein Unglück zu vergessen und seinen Lebenshunger zu stillen.

Und obwohl wir längst am Ende der Leiter stehen, hört eine raffinierte Werbung nicht auf uns noch eine Sprosse höher zu locken. Glück durch Essen und Trinken, von dem Eis, das die Sinne erfrischt, bis zu den glücklichen Leuten im Maggi Kochstudio. Schaut euch all diese Werbung einmal ganz bewusst an. Auch die, wo dann mit raffinierten Diätgerichten das wieder ausgebügelt werden soll, was die übermäßige Trostsuche am Kühlschrank angerichtet hat. Das ist ja eine echte Not, wenn sich das Leben nur in dem beständigen Kreislauf von Zunehmen und Abnehmen, von Essen und dann unter Qualen weniger Essen bewegt. Und dass das bei vielen Menschen der Fall ist, ist ja nicht erfunden. Sogar manches brave Haustier teilt inzwischen auf diesem Gebiet die Probleme seines Menschen. Doch findet der nicht mehr zurück.

Aber Essen und Trinken stillt eben nicht allen Hunger. Lebenshunger bleibt, auch wenn der Magen voll ist. Und davon können wir Wohlstandsmenschen ein Lied singen. Durch noch mehr und noch raffinierter Essen und Trinken kann dieser Lebenshunger nicht gestillt werden. Und deshalb haben gerade wir vielleicht ein offenes Ohr wenn Jesus sagt: Ihr braucht Brot des Lebens. Vielleicht sind wir längst durch eigene schmerzliche Erfahrung zu dieser Einsicht gekommen. Vielleicht ahnen wir längst, dass unsere Probleme an ganz anderen Mängeln hängen.

Viele von uns wissen überhaupt nicht, wonach sie hungern. Sie haben alles, es geht ihnen gut und sie haben doch das Gefühl, dass sie zu kurz kommen. Denn der Mensch, liebe Gemeinde, lebt nicht vom Brot allein. Dieser sog. „Brotwohlstand“, so möchte ich diesen mal nennen, ist, so denke ich eine andere Form unseres Elends.

Diesem Elend unserer Unterernährtheit, dem Hunger nach Frieden, dem Hunger nach Versöhnung und dem Hunger nach Gott, dem stellt sich Jesus entgegen. Jesus erinnert die Juden daran, dass das Manna in der Wüste nicht das wahre Himmelsbrot war. Es war ein Zeichen, ein Hinweis auf das Wunderbare, was Gott uns schenken will. Ein Brot himmlischen Ursprungs, eine Gabe, die wahrhaftig Leben vermitteln kann.

Diese Gabe, liebe Gemeinde, liegt nicht in der Zukunft, sie ist hier und jetzt gegenwärtig, sie ist jetzt da! Es ist eine Gabe, die alles, aber auch alles in den Schatten stellt, was es bisher gab und sie übertrifft alle unsere Erwartungen.

Ob die Menschen von damals und auch wir heute das wohl richtig verstanden haben? Jesus sagt, dass dieses Brot von ganz anderer Art ist. Es ist nicht eine Gabe zur Sättigung, sondern seine Person. „Ich bin das Brot, das Leben schenkt“, sagte Jesus zu ihnen.

Alle Hilfe und alles Heil gehen von der Person Jesus Christus aus. In ihm und durch ihn hat Gott uns sein Leben mitgeteilt und schenkt uns seine Gegenwart. Gott lässt uns durch Jesus Christus an seinem Leben teilnehmen, davon leben wir.

Das ist Jesus Christus. Von ihm leben wir. Aus seiner Hand essen wir dieses allernotwendigste Lebensmittel. Es ist sein Geschenk. Er nennt dieses Geschenk: Brot.

Ja, liebe Gemeinde, dieses Brot ist Jesus Christus selbst, der aus der Ewigkeit gekommen ist und nach Gottes Willen uns allen das Leben geben kann und auch geben will. Wie wunderbar ist dieses Geschenk Gottes, dass er unser Brot sein will.

Durch das, was Jesus tut und auch sagt, will er uns mitteilen: Ich bin für euch da. Ich möchte euch nicht nur jetzt satt bekommen, sondern ich möchte euren Hunger nach Frieden, nach Freiheit und nach Freude stillen. Ja, ich möchte euren Hunger nach Geborgenheit, nach Glück, nach dem Sinn des Lebens und ebenso nach Verständnis zu eurem Nächsten stillen.

Und deshalb gebe ich euch das Brot der Liebe, das Brot der Hoffnung, das Brot der Gemeinschaft und das Brot der Vergebung und des Trostes. Dieses Brot, liebe Gemeinde, bekommen wir nicht nur für ein paar Minuten, Stunden, Tage und Monate, nein, das Brot des Lebens bekommen wir für immer. Wir können es essen, wir können es empfangen, indem wir zu Jesus Christus gehen, an ihn glauben und ihm vertrauen. Ja, davon können wir Tag für Tag leben.

Aus seiner Hand essen wir dieses allernotwendigste Lebensmittel. Im Brot der Gemeinschaft teilt sich Jesus Christus selbst mit. Hier kommt er uns nahe und er gibt uns sein Versprechen: Ich bin das Brot, das Leben schenkt“. „Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungrig sein.

Im Evangelium für den heutigen Sonntag haben wir es gehört: „Sammelt die Brotreste auf, damit nichts verdirbt“. Sie taten es und füllten zwölf Körbe mit den Resten. Soviel war von den fünf Gerstenbroten übrig geblieben.

Als der Kirchenvater Augustinus einmal gefragt wurde, wie er sich dieses Wunder erklären könne, da hat er geantwortet: Von dem Brot damals essen wir heute noch.

Amen.